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März 2016

Auf der Suche nach nachhaltig innovativen Lösungen im Gesundheitswesen

Gastbeitrag von Frank Weber; Co-Creation-Manager (vormals Manager bei Philips)

GESUNDHEITSWESEN MIT KOMPLEXEN PROBLEMEN

Die meisten westeuropäischen Länder sind mit komplexen Problemen im Gesundheitswesen konfrontiert. Neben einer Kostenexplosion und den steigenden Anforderungen infolge einer alternden Bevölkerung machen Patienten, Ärzte und Pflegende auch hinsichtlich der Koordination von Behandlungsschritten immer schlechtere Erfahrungen. Der Behandlungsprozess verteilt sich häufig auf Beteiligte aus unterschiedlichen Institutionen und gliedert sich meist in mehrere Episoden, die schwer miteinander abzustimmen sind. Oft weiß die Rechte nicht, was die Linke tut. Schließlich fehlt die nötige Transparenz, um zu ermitteln, ob und wie die Behandlung zu einem messbaren Erfolg für den Patienten geführt hat.
Es ist also höchste Zeit für nachhaltig innovative Lösungen im Gesundheitswesen. Kann man da von Erfahrungen aus anderen Industrien lernen?

EIN BLICK ÜBER DEN TELLERRAND

Der Konzern Bosch meldet pro Tag durchschnittlich 18 Patente an und lebt damit von Innovationen. „Wir brauchen Patente, um uns weiterzuentwickeln“, sagt Lorenz Hagenmeyer vom User Centered Innovations Team bei Bosch, „aber das ist ganz schön schwierig.“*
Das Kernproblem vieler Großkonzerne: Das Denken beginnt bei den eigenen Produkten, nicht beim Anwender. Entwickler setzen auf „Viel hilft viel“, und das führt am Ende zu vielen ungenutzten Features und komplizierten Bedienungen. Bosch hat dies erkannt und setzt laut Hagenmeyer verstärkt auf nutzerfreundliches Design. Produkte und Services müssen einfach und intuitiv verständlich sein – das geht nicht ohne Design und die Berücksichtigung von Nutzererfahrung. SAP beschäftigt beispielsweise 600 Designer und 3000 Design Thinking Coaches. Bei Google arbeiten 800 und bei IBM 1000 Designer.

DIE ZAUBERWORTE LAUTEN CO-CREATION UND DESIGN THINKING

Co-Creation ist eine Methode, die mit einem kreativen und funktionsübergreifenden Team aus Kunden und der Industrie Nutzerprobleme erkennt, analysiert, Lösungen interativ entwickelt, validiert und kommerzialisiert.

DESIGN THINKING im Entwicklungsprozess ist nutzerund problemorientiert und bringt von Anfang an Kunden, Designer, Entwickler und Marketing zusammen, für nachhaltig innovative Lösungen. Gutes Design bringt gute Nutzbarkeit für größeren Nutzen.

CO-CREATION UND DESIGN THINKING IN KAROLINSKA STOCKHOLM/SCHWEDEN

Das neue Stockholmer Innovation Center ist ein gutes Beispiel dafür, wie heute Co­Creation und Design Thinking Einzug in das Denken und Handeln moderner Gesundheitsversorger finden.

Das Ziel: Basierend auf ihrer weltweit führenden Position im Bereich „Life Science und Gesundheitsforschung“, hat sich die Region Stockholm zum Ziel gesetzt, ihren Einwohnern eine weltweit einmalige Lebensqualität mit wertbeständiger Gesundheitsversorgung zu bieten.
Das Was: Ein neu gegründetes Stockholmer Innovation Center bringt Forschung, Gesundheitsversorger, öffentliche Einrichtungen und die Industrie in einem Innovationshub zusammen.
Das Wie: Innerhalb des Innovationshubs entstehen „offene Innovationspartnerschaften“, die für bestimmte Schwerpunkte relevante Innovationsprojekte definieren. Diese Projekte dienen immer einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung für den Menschen: für Patienten und Mitarbeiter der Gesundheitsversorger. Mit der Entscheidung zur Konzeption und zum Bau des „Neuen Karolinska Solna (NKS)“, das im Herbst 2016 als modernstes Krankenhaus Europas in Betrieb gehen wird, bringt das Stockholmer Innovation Center nutzerorientierte Innovationen direkt in den klinischen Alltag. Neben der Beschaffung von Hochleistungsmedizingeräten und Dienstleistungen sind Budgets auch für „offene Innovationspartnerschaften“ aus Klinikern, Forschung und Industrie geplant.

Moderne Gesundheitsversorger wie das Stockholmer Innovation Center investieren mehr und mehr in CoCreation und geben damit weniger Geld für traditionelle Produkte von der Stange aus.

DIE NEUE ROLLE DES CO- CREATION-MANAGERS

Für erfolgreiches Co­Creating bedarf es der neuen Rolle eines Koordinators, der des Co­Creation­Managers.
Er koordiniert Innovationsprojekte und bringt funktionsübergreifend die „richtigen Leute“ in Co­Creation­Teams zusammen. Mit Designern werden in einem iterativen Prozess die echten Nutzerprobleme erkannt und analysiert, Ideen generiert, Prototypen entwickelt, klinisch validiert und deren Wert für den Nutzer ermittelt. Am Ende stellt der CoCreation­Manager sicher, dass die innovative Lösung zwischen den Co­Creation­Teilnehmern einvernehmlich kommerzialisiert wird.

Sollten Sie Interesse haben, die Rolle des Co­Creation­Managers genauer kennenzulernen, stehe ich Ihnen gerne unter healthcarecocreation@ gmx.de und mobil +4916096217398 zur Verfügung (Frank Weber).

Quelle:
* Stuttgarter Zeitung 7. Dezember 2015 – Wenn Erfindergeist an Grenzen stößt (Eva Wolfnagel)

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