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Dezember 2019

Vom Umgang mit der "Kandidatenansprache"

Umfragen wie die jährlich durchgeführte „Social Recruiting und Active Sourcing“-Studie der Universitäten Erlangen-Nürnberg sowie Bamberg zeigen einen deutlichen Trend, wie mittelständische und große Unternehmen zunehmend über Karrierenetzwerke bzw. soziale Netzwerke eine aktive Kontaktaufnahme zu Kandidaten suchen. Laut der durchaus lesenswerten aktuellen Studie von 2019 zeigt sich aber der Trend, dass Kandidaten diesen Kanal zunehmend skeptischer sehen. Dies hängt mit den Spams von zu vielen und/oder nicht passenden bzw. unpersönlichen Anfragen zusammen sowie dem Wunsch nach unmittelbarer Kommunikation. Vier von fünf Kandidaten reagieren gar nicht oder negativ bei einem entsprechenden Kontaktaufnahmeversuch. Zudem schafft das Personal im Schnitt eine Ansprache pro Tag/ pro abgestellte Person, wobei dies in bestimmten Bereichen (wie IT) auch auf 2-3 Kontaktaufnahmen pro Tag ansteigen kann. In der Folge steigen - bspw. in der IT - dann aber auch wieder die negativen Reaktionen. Der Wunsch nach Kontrolle und individuellerer Ansprache über APPs oder andere Medien steigt zunehmend.

In der Summe konnten wir diesen Trend auch im Markt schon länger feststellen und haben hier vor Jahren, wie z. B. mit unserer „HiTec Job-App“ (Apple / Android) reagiert. Erfreulicherweise führt diese Entwicklung aber auch zu einer stärker arbeitsteiligen Kundenbeziehung. Die weniger komplexen, nicht so anspruchsvollen und kaum strategischen Funktionen, welche die Unternehmen selbst besetzen können, werden von diesen über XING & LinkedIn vom Inhouse-Recruiting zunehmend selbst adressiert. Trotz Problemen mit dem §4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in dieser Form der Kontaktaufnahme setzt sich dieser Trend fort. Gleichzeitig stellen wir aber auch eine erhöhte Wertschätzung für die klassische Direktansprache via Telefon durch die Personalberatung fest, wenn XING & LinkedIn eben nicht weiterhelfen können. Man greift zur telefonischen Ansprache, weil die Antwortraten via sozialer Netzwerke in den spezifischen Fällen noch kleiner sind als 20%, die Positionen streng vertraulich sind (bspw. bei Führungspositionen), die Unternehmen spezifische Vor- und Nachteile kommunizieren müssen oder schlicht der Bewerbermarkt so eng ist, dass man den Erfolg maximieren muss bei den hochqualifizierten Spezialisten. Der Hintergrund hierfür ist, dass E-Mail und Telefonansprache auf vergleichbare Ablehnungsraten von 15% stoßen, aber in der telefonischen Direktansprache immer ein Feedback generiert wird und eine Ansprache immer individuell adaptiert werden kann, wenn der Berater über eine entsprechende marktspezifische Expertise verfügt. Nehmen Sie es daher bei der nächsten Direktansprache als Kompliment, die Position ist nicht für „Jedermann“.

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