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November 2018

Warum Mobile-Payment in Deutschland noch immer „in den Kinderschuhen steckt“

Seit einigen Jahren taucht der Begriff „Mobile-Payment“ immer wieder in den Medien auf und verspricht eine spannende Zukunft. Das Haus mit nichts als einem Mobiltelefon verlassen, welches ohnehin zu einem ständigen Begleiter für uns alle geworden ist und damit ohne Weiteres seinen Einkauf zu erledigen, klingt tatsächlich praktisch. Leider ist diese Vorstellung, zumindest in Deutschland, noch lange nicht Realität.

Wie funktioniert das Mobile-Payment

Die meisten Anbieter setzen auf die sogenannte NFC-Technologie (Near Field Communication), die sich bereits beim „kontaktlosen Bezahlen“ mit der Giro- oder Kreditkarte bewährt hat. Hierbei werden per Induktion sowie über eine kurze Distanz die Daten drahtlos übertragen, sodass die miteinander kommunizierenden Geräte nah aneinander gehalten werden müssen. Neben einem NFC-fähigen Mobiltelefon wird eine bestimmte App (sogenannte Wallet-App) benötigt, welche mit einer Bank-, Kreditkarte oder alternativ einem Benutzerkonto verknüpft wird. iPhone-Nutzer sind hier ausgeschlossen, da sie nur Apple Pay verwenden dürfen, welches voraussichtlich Ende dieses Jahres in Deutschland verfügbar sein wird.

Welche Anbieter sind auf dem Markt aktiv

Das Thema „Mobile-Payment“ ist in Deutschland nicht wirklich neu. Diverse Unternehmen, unter anderem die Deutsche Telekom, Vodafone oder auch Yapital (Otto-Gruppe), hatten sich an dieser Bezahlmethode versucht und sind gescheitert. Seit Ende 2017 kommt allerdings erneut Bewegung in der Szene auf. Neben Payback Pay, Deutschlands größtem Bonusprogramm, sind nun auch die Sparkassen und Volksbanken mit eigenen Lösungen am Markt vertreten und auch der Internetriese Google zog Mitte 2018 mit Google Pay nach. Ebenfalls gibt es diverse „Insellösungen“ wie beispielsweise die Starbucks- oder Edeka-App, die neben der mobilen Zahlung vor allem als ein Kundenbindungstool eingesetzt werden. 

Der Vergleich zu anderen Ländern

Wenn es um das Mitführen von Bargeld geht, sind wir im europäischen Vergleich, absolute Spitzenreiter. Laut der letzten Studie der Bundesbank erfolgen 74% der Transaktionen nach wie vor mit Banknoten und Münzen. Kleinstbeträge bis 5 Euro werden sogar zu 96% in bar bezahlt. Doch die Redensart „nur Bares ist Wahres“ verliert sukzessive an Allgemeingültigkeit, da auch für uns Zahlungen mit der Karte immer mehr zur Gewohnheit werden. Ein Blick nach Skandinavien zeigt, dass unsere Nachbarn deutlich weiter sind. Hier werden die Lösungen „Mobile Pay“ sowie „Swish“ (Geldtransfer in Echtzeit) von 80% der Bevölkerung regelmäßig genutzt. In China werden sogar die Mieten oder das Gehalt mobil bezahlt. Das Ganze hat allerdings auch den Nachteil, dass die zwei dominierenden Unternehmen „WeChat“ sowie „Alibaba“ entsprechend umfangreiche Informationen zu ihren Kunden sammeln können.   

Fazit

Obwohl wir über deutlich strengere Richtlinien verfügen als in China, ist der Datenschutz noch immer ein zentrales Thema in Deutschland und führt oftmals zu einer gewissen Zurückhaltung, wenn es um die Nutzung von neuen Technologien geht. Zudem bietet Mobile-Payment den Kunden aktuell noch keinen wirklichen Mehrwert, sondern stellt bestenfalls ein Substitut für die bestehenden Karten dar. Und solange ein Nutzer zwar im Supermarkt mobil bezahlen kann, bei dem Eisverkäufer um die Ecke dennoch sein Portmonee zücken muss, wird sich die allgemeine Akzeptanz in Grenzen halten. Grundsätzlich dennoch eine spannende Technologie, die einfach noch viele Jahre Zeit benötigt, um salonfähig zu sein.

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