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Dezember 2017

Digitale Entwicklung in der Hörgeräte-Branche

John Naisbitt sagte einmal: „Statt unablässig den Verlust der alten Industrien zu bejammern, müssen wir uns einfach dem Abenteuer stellen, neue Industrien zu entwickeln“. Diesen Gedanken verfolgt seit einigen Jahren auch die Medizintechnikbranche. Immer mehr Unternehmen setzten deshalb das Thema „E-Health“ auf die Tagesordnung und fokussieren sich neben der Digitalisierung der Produkte auf die Entwicklung von zusätzlichen, digitalen Serviceleistungen („beyond the product“). Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur die Schaffung von Mehrwerten und einer engeren Bindung von Betroffenen an das Produkt, sondern auch die Erschließung von neuen Umsatzfeldern.   

 

Eine besonders eindrucksvolle Entwicklung ist im Bereich von Hörgeräten zu erkennen. Von der sogenannten Hörminderung und der damit oftmals verbundenen Notwendigkeit eines Hörgerätes, sind immer häufiger auch jüngere Menschen betroffen. Waren die Geräte zuvor unübersehbar und vom Träger nur sehr aufwendig und rudimentär verstellbar, bietet die neueste Generation ein unauffälliges Design sowie eine Bluetooth-Schnittstelle zum Smartphone. Die neusten Hörgeräte von GN ReSound werden beispielsweise mittels einer einzigen App gesteuert, so Ingo Fennen, Produktmanager des Unternehmens. Neben der klassischen Lautstärke- und Lärmpegelanpassung ist es zudem möglich, die bevorzugten Höreinstellungen von bestimmten Orten als Favoriten zu hinterlegen. Betritt man sein Lieblingsrestaurant, erfolgt die Einstellung der Geräte automatisch – ein auffälliges Nachjustieren ist damit Geschichte. Selbst die verlegten Hörsysteme sind kein großes Ärgernis mehr. Ähnlich zu der „Find my phone-Funktion“ zeigt die App den Ort der letzten Verbindung zum Mobiltelefon und kann des Weiteren die Geräte in unmittelbarer Nähe sehr präzise orten.            

 

Auch ist das Streamen von Telefongesprächen, Musik oder Filmen unmittelbar in die Hörgeräte hinein schon lange keine Zukunftsmusik mehr, sondern Alltag. Und die Entwicklung schreitet voran. So könnten die Hörakustiker in der Zukunft per Remote direkt auf die Geräte zugreifen, um so deutlich schneller das etwaige Problem zu beheben. Ebenfalls, so Ingo Fennen, wird eine weitere Vernetzung, beispielsweise von Haushaltsgeräten, angestrebt. Ist der Waschvorgang beendet, sendet die Maschine ein Signal an das Hörsystem. Nicht zuletzt könnten die Hörgeräte weitere, bereichsübergreifende Aufgaben übernehmen, indem sie den Puls- und die Vitalfunktionen überwachen oder eine Alarmmeldung abgeben, wenn der Betroffene hinfällt und nicht wieder aufsteht. Man darf gespannt sein.

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